Heimat

„Ohne einen gesunden Gemeinschaftssinn, ohne solidarisches Miteinander und ohne ein tieferes Gefühl der Verbundenheit mit unserem Ort ist Durmersheim nur eine Ansammlung von Häusern, Straßen und Plätzen. Zur „Heimat“ wird es erst durch die Identifikation mit dem Ort und durch das gemeinschaftliche Engagement der Menschen vor Ort, die das von vielen Generationen vor uns begonnene „Projekt Durmersheim“ fortführen und zukuntfsfähig gestalten.“

Josef Tritsch, 1. Vorsitzender des Arbeitskreises Heimatpflege e. V., in der Festschrift zu 1025 Jahre Durmersheim (erhältlich im Hardtmuseum)

Die Idee zu dieser Webseite kam mir neulich auf dem Rathaus Durmersheim, auf dem sogenannten „Amt für Liegenschaften“. Dort wollte ich mich ordnungsgemäß für ein kleines Stückchen Acker anmelden, auf dem ich etwas Gemüse anpflanzen möchte. Von einer Nachbarin (hier in „Kleinmanhatten“) hatte ich erfahren, daß es zuletzt ein syrischer Flüchtling übernommen hatte, der dann aber leider weiterziehen mußte.

Ich dachte zunächst, das Grundstück gehöre der Gemeinde. Durch den Beamten wurde mir klar, daß ich als Bürger ja diese Gemeinde bin, und das Amt uns quasi nur verwaltet. Der liebe Herr Liegenschaft berichtete mir dann noch von seinem hohen Arbeistpensum und den Schwierigkeiten in der Umsetzung diverser Tätigkeiten, wie eben der Zuteilung solcher Grundstücke zur Bewirtschaftung (es gibt eine Warteliste mit jahrelangen Wartezeiten!), dem Aufwand amstwegens und den damit verbundenen, hohen Kosten. Man habe sogar schon angedacht, die Regelung solcher Dinge gleich ganz den Bürgern zu überlassen.

Das hat mich spontan zu dieser Webseite inspiriert. Diese gehört natürlich nicht mir, sondern der Gemeinde, also jedem einzelnen Bürger, dem sie auch völlig zur Teilnahme offen steht. Das „Betriebssystem“ ist ein sogenanntes Content Management System namens WordPress, und sehr einfach zu bedienen. Es basiert auf einem „redaktionellen“ System, was bedeutet, daß hier beliebig viele Menschen mitschreiben und -gestalten können, ähnlich wie bei einer Zeitung. Anfragen diesbezüglich bitte zunächst direkt an mich.

Ich denke, es ist an der Zeit, die Dinge wieder mehr selbst in die Hand zu nehmen, also das Zusammenleben so zu gestalten, wie wir, die Bürger das auch wünschen. Und zwar ganz unabhängig von den jeweiligen Bestimmungen von „Oben“. Die Ämter sind ja völlig überfordert, verschlucken Unsummen von Geld und schaffen oft Regeln, die weniger den Menschen dienen als der Wirtschaft und deren Prämissen. Neulich kam mir zu Ohren, ein echter Tipp unter Auswanderungswilligen (die der hiesigen Überreglementierung überdrüssig sind), sei Paraguay, weil es dort sehr wenig Bürokratie gibt und man weitesgehend tun und lassen kann, was man will.

Ich selbst möchte nicht auswandern, sondern mich da wohl fühlen, wo ich bin. Die Welt ist ein Dorf und in Durmersheim wohne ich offiziell nun seit 2010, davor hatte ich schon vier Jahre hier gearbeitet (beim Pflegedienst Pinkinelli). Ich kenne hier zwar einige Leute, hatte mich aber immer stark nach Karlsruhe orientiert, da es dort mehr kulturelle Angebote und Möglichkeiten gibt. Ich dachte, sobald ich dort auch wohne, kann ich richtig „loslegen“ und fühlte mich gewissermaßen heimatlos.

Denn ich wohne ja noch hier in Durmersheim, und es wird niemals irgendwo besser sein, als da wo ich gerade bin. Genau hier muss ich anfangen, bzw. weitermachen. Ich tue dies nun mit dieser Webseite, als digitales Spiegelbild meiner vertiefenden Beziehung mit dem Durmersheim in der echten, analogen Welt, und seinen Einwohnern.

Hier auf ichbindurmersheim.de werde ich schwerpunktmäßig zunächst eine Vision entwickeln, wie ich mir das gemeinschaftliche Leben in einer Gemeinde vorstelle. Wir sind weltweit mit sehr drastischen Problemen und einer Gesamtsituation konfrontiert, die viele Menschen schon nicht mehr als reparabel betrachten. Im Innersten wissen wir, daß Konsum und Wirtschaftswachstum uns nicht glücklich machen, sondern diese Erde, unsere Lebensgrundlage konsequent zerstören. Deshalb liegt der Schwerpunkt meiner Vision auf Gemeinschaft, sauberer, unabhängiger Energie, Luft und Nahrung und einer ganz wörtlichen Rück-Verbindung zum Boden. Womit ich nicht nur langsam zum Schluss dieser Einführung auf der „Home-Page“ dieser Webseite komme, sondern auch zurück zum Anfang eben jener.

Das erwähnte Grundstück wurde teilweise schon vom Vorgänger bepflanzt, und ich werde nun Stück für Stück weitere Samen und Pflänzchen setzen.

Ackerbohnen in Durmersheim
Vom Vorgänger gesetzte Ackerbohnen auf einem noch nicht offiziell von der Gemeinde vergebenen Grundstück in Durmersheim

Und natürlich mit der Behörde in engem Kontakt sein, um entweder die Liste (der Anwärter für Gartengrundtsücke) verkleinern zu helfen oder selbst den offiziellen Zuschlag zu bekommen. Demnächst habe ich auch einen Termin beim Bürgermeister Augustin, mit dem ich über diese und andere Maßnahmen zur „Entschleunigung“ sprechen werde.

Mein Hauptfokus des Anbaus eigener Nahrung liegt zunächst auf meinem Balkon, bis ich dann tatsächlich ein eigenes Grundstück beackern kann. Auch ein Gemeinschaftsgarten schwebt mir vor. Die Idee der „nachhaltigen, essbaren Gemeinde Durmersheim“ sowie weitere Ideen zum angenehmen Zusammensein gibt es bald auf einer gesonderten Visions-Seite. Daneben starte ich einen Blog mit kleinen Berichten und Geschichten aus dem Ort.

Die Web-Seite wird sich, ganz wie die Gemeinde, sicher noch viel verändern und ich freue mich schon auf die ersten Mitgestalter. Du kannst mich auch gerne mal auf dem Grundstück besuchen kommen, es ist direkt gegenüber vom Gymnasium, bei den Kleingärten am Federbach.

Siegmar Gebele
Mai 2016

In der Hauptstrasse, nicht weit vom alten Ortskern